Mercedes-Benz TAXI Concept | artwork by Jonas Franz (2017)

Taxis aus aller Welt

Taxis aus aller Welt

Wer diese Überschrift liest denkt meist sofort an weltbekannte Klassiker wie das London Taxi oder die Yellow Cabs in New York. Aber wie sehen Taxis in anderen Ländern und Städten aus? Wer erinnert sich noch daran nach einer Fahrt mit der Deutschen Bahn am Bahnhof den Taxistand zu suchen und dort lange Reihen fast identischer Mercedes-Benz Taxis der Baureihe W123 zu finden? Alle im typischen Farbton RAL 1015 Hellelfenbein lackiert und innen meist mit strapazierfähigem, schwarzem MB Tex ausgestattet.
Begleiten Sie mich auf eine kurze Reise und lernen sie kennen, welch bunte Vielfalt sich weltweit hinter dem Wort TAXI verbirgt.

Südafrika

Auf den ersten Blick wirkt das blaue Taxi durch seine klassische Form vertraut. Die offene Tür lädt dazu ein hinten einzusteigen, auf der bequemen Sitzbank Platz zu nehmen und sich zum Ziel chauffieren zu lassen. Der vertrauenerweckende Klang des alten Vorkammerdiesels weckt Erinnerungen an eine Zeit, in der man statt einer Steckdose für das Mobiltelefon immer Münzen für die Telefonzelle gesucht hat. Aber Moment – da stimmt doch etwas nicht? Der Motor nagelt nicht sondern brummt sonor, das Blau ist definitv kein RAL 1015 und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gab es nie ein W123 Taxi mit Weißwandreifen in Deutschland. Wo sind wir also gelandet? Nicht etwa an einem Deutschen Bahnhof in den 80er Jahren, sondern 30 Jahre später in Durban, Südafrika. Da der Fahrzeugbestand nicht durch Streusalz dezimiert wurde, findet man hier nach wie vor Taxis die eine schöne Zeitreise ermöglichen und uns in Erinnerungen schwelgen lassen.
Mercedes-Benz W123 Taxi Durban South Africa | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2008)
Wer es etwas moderner mag kann sich in Durban unter vielen anderen Taxen (Cabs) auch einen farbenfrohen Renault Kangoo für eine fröhliche Fahrt aussuchen:
Renault Kangoo Taxi Durban South Africa | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2008)
Auch in Kapstadt sind Zeitreisen möglich. In Camps Bay fahren nach wie vor einige Mercedes-Benz und selbst in Muizenberg kann man sich in einem Klassiker chauffieren lassen. Opel Rekord D? Nein, knapp daneben. Auf dem Bild ist die Südafrikanische Variante während einer Pause am Meer zu sehen: ein Chevrolet 3800 mit 3,8 Liter Reihensechszylinder, den es in Deutschland leider nie gab. Und weil man Hubraum bekanntlich durch nichts ersetzen kann ausser durch noch mehr Hubraum, gab es im südlichen Arika neben 2500 und 3800 auch eine Variante mit 4,1 Litern Hubraum: den Chevrolet 4100.
Chevrolet 3800 Taxi Muizenberg South Africa Opel Rekord D | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2012)
Wenn man Südakrikaner nach einem Taxi fragt, sieht die Antwort meist nicht wie eine viertürige Limousine (Cab) aus, sondern wie ein Kleinbus (Taxi). Diese Sammeltaxis fahren auf mehr oder weniger festen Routen durch die Städte und teilweise auch über Land. Zusteigen ist sowohl an zentralen Punkten (Taxi rank) als auch unterwegs möglich.
Toyota Hiace Siyaya Taxi Durban South Africa | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2007)
Wer unterwegs zusteigen möchte stellt sich an den Straßenrand, wartet bis ein Taxi in Sichtweite kommt und kommuniziert mit dem Fahrer per Handzeichen. Für jede Linie gibt es eigene Codes. Zeigefinger nach oben bedeutet man möchte in die nächste Metropole (z.B. Johannesburg), eine Kreisbewegung mit dem Zeigefinger nach unten bedeutet dass man nur lokal mitfahren möchte. Die Südafrikanische Künstlerin Susan Woolf hat diese Zeichensprache in Büchern, Zeichnungen und Skulpturen umgesetzt. Diesen Kunstwerken ist sogar eine eigene Briefmarkenserie der Post gewidmet.
HIER VIDEO EINFÜGEN
Als ich 2007 und 2008 in Südafrika lebte wurden gerade die neuen “boxy style” Toyota Hiace Sesfikele eingeführt, die nach und nach die klassischen Hiace ablösen sollten. Mehr Platz, Komfort und verbesserte Sicherheit sollten das Mitfahren angenehmer machen.

Oman

Sie sind noch dabei? Gut, dann reisen wir weiter in den Oman. Am International Airport Seeb in Muscat angekommen, kann man in eins der speziell gekennzeichneten Flughafentaxis steigen. Diese unterscheiden sich durch ihre blaue Farbgebung von den normalen Taxen und sind meist etwas neuer und nicht selten auch besser ausgestattet. Die Fahrer lassen die Motoren während den Wartezeiten laufen, so dass die Klimaanlage permanent laufen kann. Helles Leder heizt sich während der Wartezeit nicht so stark auf und hilft zusätzlich die Temperaturen im Taxi angenehm zu halten.
Nissan Altima Airport Taxi MCT Muscat Oman | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2015)
Andernorts im Oman sind die Taxen meist etwas älter. An die E-Klasse der Baureihe W210 erinnern sich viele Deutsche Taxiunternehmer nur noch ungern, da besonders die frühen Baujahre aus der Ära DaimlerChrysler mit schlechter Qualität, Kinderkrankheiten und massiver Korrosion zu kämpfen hatten. Im trockenen Klima der Wüste ist Rost jedoch kein Thema, weshalb man diese Modelle hier noch relativ häufig im aktiven Dienst finden kann. Die meisten Taxen kommen aber aus dem Land der aufgehenden Sonne: Toyota Corolla, Crown und Avalon sieht man sehr häufig.
Mercedes-Benz W210 Taxi Manah Oman | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2015)

Deutlich seltener sind Exoten wie dieser Subaru Impreza in der Hafenstadt Sur, der für den Taxidienst eigentlich eine Nummer zu klein ist. Vielleicht ist er deshalb nicht mehr im Dienst?

Subaru Impreza Taxi Sur Oman | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2015)

Philippinen

Weiter geht es auf die Philippinen. Hier ist es ähnlich wie in Südafrika: kompakte bis mittelgroße Limousinen und Sammeltaxis befördern die Menschen von einem Ort zum anderen. Die Jeepneys genannten Sammeltaxis sind weltbekannt und es existieren bereits einige Bücher und Filme über diese lokal hergestellten Fahrzeuge. Aus alten Fahrzeugteilen werden Fahrzeuge mit neuen, von Hand hergestellten, Karosserien. Prinzipiell ist die Bauform immer die gleiche: vorne sitzen der Fahrer und sein Helfer, hinten sitzen sich die Fahrgäste auf langen Bänken gegenüber.

Jeepney interior in Baguio Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastia Motsch (2017)

Abhängig von den lokalen Einsatzbedingungen unterscheiden sich die Jeepneys in Details. Fahrzeuge in Manila haben meist keine Fenster in den blank polierten Karossen, sind nicht selten tiefergelegt und mit lauten Auspuffanlagen ausgestattet.

Jeepneys in Manila Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2017)

Reist man jedoch in den Norden, findet man auf dem Weg etwas schlichtere Fahrzeuge in San Fernando…

Jeepney in Angeles San Fernando Ilocos Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2017)

… und stabiler gebaute, meist höhergelegte Jeepneys mit Fenster und Türen im Bergland um Baguio, wo es im Winter auch mal kalt, nass und eher ungemütlich sein kann.

Jeepney in Baguio Ilocos Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2017)

Fast allen Jeepneys ist eines gemeinsam: die Liebe zum Detail, mit denen sie von den Besitzern oder Fahrern geschmückt werden. Es gibt viele Ornamente, Figuren, Antennen und Lichter zu bewundern.

Jeepney detail Baguio Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2017)

Viele Fahrzeuge sind einem Thema gewidmet und entsprechend farbenfroh gestaltet, wie dieses bunte Taxi im nördlichen Ilocos.

Jeepney with flames in rural Ilocos Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2017)

Wenn die Reisenden mit dem Jeepney an ihrem Zielort angekommen sind, geht die Fahrt oftmals mit einem sogenannten Tricycle (Motorrad mit Beiwagen) weiter. Dies auch Trikes genannten Vehikel bewältigen den lokalen Verteiler- und Zubringerverkehr und bringen z.B. auch die Kinder in die nahegelegenen Schulen.

Tricycle Taxis in rural Ilocos Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2017)

Auffällig ist, dass die Beiwagen dieser Motorradtaxis von Stadt zu Stadt ganz unterschiedlich aussehen. Jede Gegend hat ihre eigene Art diese einfachen und günstigen Transportmittel zu bauen. Nicht selten sieht man Details in der Ausführung, die Respekt vor unglaublicher Handwerkskunst verlangen, die teilweise unter einfachsten Bedingungen entstehen. Die Tigermütze dieses jungen Passagiers setzt ein zusätzliches schönes Highlight.

Boy with tiger cap riding tricycle taxi Philippines | Drive-by Snapshots by Sebastian Motsch (2017)